nicht.lustig

... ein subjektiver Kommentar.


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Gedanken über die Lage







My milieu is not your milieu - Gesellschaftsbeobachtungen 04

Die Milieutheorie, eine soziologische Ewigkeitsdisziplin, zurückgehend auf Émile Durkheim ist der wohl am besten geeignete Ausgangspunkt um auch heute noch Parallel-, Elite-, Lämmer- und Werteverfallsgesellschaften zu bekennen und zu bekämpfen. Denn erst wenn der Feind nach preußischer Tugend kategorisiert und etikettiert worden ist, kann er bekämpft werden.

Das milieu social ist eine einfache Formel:
äußeres Milieu * inneres Milieu = x1 = Ego; x2 = Egos Welt.
Dabei ist es nach jeder menschlichen Lesart und jeder sozialer Facon unterschiedlich, welcher Faktor und welches Produkt prägnanter ist. Pauschalisieren lässt sich nur; am Ende ist man stets nur die Münze, die geprägt wurde.
Das äußere Milieu ist die Familie, der Freundeskreis, die Arbeitsstelle. Alle jene Instanzen, durch die man manipuliert, instrumentalisiert und sonstewie verändert wird. Es sind die Einflüsse, auf die man keinen Einfluss nehmen kann; es sind Steine im eigenen Weg. Jeder versucht auf egoistische Art und Weise die non plus ultra Werte dem Ego einzutrichtern und somit lehmartig zu formen. Die Eltern sagen was richtig und was falsch ist, der Freundeskreis bestimmt das Verhalten und die Arbeitsstelle konserviert enttäuschende Misserfolge und diese können selbst nicht weiter als der eigene Horizont blicken. Denn wenn man versucht, jemanden zu formen, geht das nur nach einer einzigen bestimmten Norm, egal wie viele davon im Schaffenden stecken.
Jack: „Man sucht sich den Freundeskreis nicht selbst aus. Dieser kommt durch das innere Milieu zustande und man ist dann schier gezwungen diesen zu behalten. Wer einmal einen Freundeskreis um sich geschart hat, wird ihn erst mit autoaggressivem Zündstoff los: Man muss sich selbst verändern.“
Die Familie hingegen hat starken Einfluss. In dem Maße des Bildungsstandes (was ein Produkt des inneren Milieus ist) und finanzieller Liquidität der Eltern, lebt auch der Sprössling. Nur schwer lässt es sich aufsteigen, leicht lässt es sich sogar noch tiefer fallen.

Der Punkt: die unperfekte Welt des Abiturs.
An und für sich eine Instanz der höheren Scholastik. In der „SEK II“ sind nur Leute, die es auch verdient haben. Das Abitur bekommen nur Leute, die es sich erarbeitet haben. Und ja Virginia, the world is disney.
Das soziale Milieu bestimmt heute jeden einzelnen Abiturienten und somit jeden Hochschulgereiften, der losgelassen wird. Mit der fleißigen und aalglatten Schülern der 1.2-Elitenbrigade bis hin zum leichtgängigen und verzweifelnd unzulänglichen 3.9-Trivialiten. Was die Noten in „sehr gut“ und „na ja, reden wir nicht drüber“ trennen, eint die „Klasse“. Da gibt es dann Bekannte, Gleichgesinnte, Mitstreiter und, wenn man Pech hat Freunde. Und schon ist der Kreis des sozialen Milieus wieder teuflisch geschlossen.
Jack: ”Diese Freunde hat man drei Jahre lang an der Backe und muss auf gut gesinnt mit ihnen aushalten um das Klassenklima nicht zu gefährden. Man gibt sich homogen in der Individualität und originell in der Banalität.“
Schafsmann: “Doch am Ende stirbt jeder für sich selbst.“

Schon in einer Klassen haben wir wieder die Aufteilung in Elite und Lämmer; in wertelose, traditionslose, hirnlose und künftig arbeitslose Typen. Die Prämisse ist: keiner kann sich wirklich von seinem äußeren Milieu befreien.
Wer aus gut situiertem Hause stammt, mit viel Knete, geborgener Offenheit und intellektueller Attitüden, der erreicht auch mal gut und gern eines der besten Abiture, die es hier mal gab. Bravo. Solche Schüler haben immer dazu beigetragen, den homogenen Klassenbrei am leicht köcheln zu halten und haben ständig wieder selbst umgerührt. Ob erwünsch oder nicht. Ob nötig oder unnötig. Diejenigen, die aus einem Elternhaus mit arg limitierten Krediten, latenter Alternativitätstoleranz und dem intellektuellen Niveau des RTL2-Programmes kommen, die sind der Brei. Diese lassen sich rühren und köcheln. Doch tief in ihnen drin schlummert dabei das aufkommende Gefühl des Zorns über Nichtaktivität, über Initiativlosigkeit, eigener Unerheblichkeit, des Gerührtwerdens und ein kleiner Jack erwacht. Aus jenen Leuten werden dann nur noch Anachronisten, die auf ewig in der Jugend verpasste Chancen nachheulen; - wahrscheinlich treten sie der PDS bei.

Kuttel Daddeldu: “Auf einem Punkt gebracht heißt das, dass auf einem Misthaufen keine Rosen wachsen.“
Das Kind kleingeistiger, bourgeoiser Eltern wird kein 1.2-Abitur erreichen. Dafür werden diese Eliteabiturienten in ihrer arg zielorientierten Engstirnigkeit auch nichts größeres werden als brandenburgische Unionsminister. (Das ist ein offizieller Fluch!“)

Schafsmann: ”My milieu is not your milieu“, und das ist auch gut so.
Auf Dauer fühlt sich niemand dabei wohl auf anderen Ebenen zu verkehren.
Jack: “Dazu muss man noch das innere Milieu benennen. Das wie folgt die überaus wichtigen Faktoren der Gesinnung, der Mentalität, des Bildungsstandards und der eigenen Zielorientierung besitzt.“ Und schon beginnt die Supraironie; Gesinnung und Bildungsstandard erhalten den ersten Rahmen von den Eltern und des Umfeldes. Bekanntlich verändert sich der Mensch alle sieben bis acht Jahre in eine neue Richtung, wirft dabei aber niemals den ersten Rahmen ab, egal ob er morsch und rudimentär ist.
Das große und bis in die letzten Synapsen wirkende Stichwort ist tatsächlich die Mentalität. Diese lässt sich unterteilen in Gruppendenken und Solodenken. Dabei ist das Gruppendenken ein weiteres Produkt, womit das äußere Milieu versucht Druck im Gestaltungsprozess auszuüben.

In der Mentalität geht das Ego auf. Als Sammelbecken der verschiedenen Ideen und Pläne zur Lebensgestaltung, als Auffangstelle der Ansichten und Ideologien, ja noch wichtiger, als ultimative Residenz des mentalen Seins. Hier werden über Klischees und Wahrhaftigkeit, über zu verfolgende Sünden und Tugenden, über Sühne und Heuchelei geurteilt. Das, was man weiß, paart sich hier mit dem, was man glaubt. Heraus kommt das Wort, das man vertritt. Bei vielen ist die Mentalität so groß wie ein Kürbiskern. Andere können das Firmament nie erblicken.
Nur wer sich über die eigene Mentalität vollends bewusst wird, ist auch fähig, dem äußeren Milieu zu trotzen. Derjenige, der kann auch seine Freunde frei wählen und selbst als Rose aus einem Komposthaufen herausgehen. Nur ist die Chance, dass jemand, der in einem Komposthaufen lebt seinen Mentalitätshorizont entdeckt in dem er einfach die Augen öffnet, nach oben sieht und denkt so schwindend gering, wie die Wahrscheinlichkeit, dass nun wirklich eine Rose dort wächst. Doch genug der Metapherndrescherei.

Um die Kurve zu kriegen: die ungerechte Welt des Abiturs schickt Abiturhabende hinaus, bei denen sich hinter der 3.9 wahre Größe und hinter der 1.2 unsagbare Leere verbirgt. Das Abitur schafft keinen neuen Elitekader, es transformiert lediglich das bestehende Milieu eines jeden in ein anderes, ein höheres. Es ist quasi eine dreijährige Inkubation der Mentalität, die entweder wie eine wunderschöne Blume aufgeht oder als Trockengewächs dahin schmachtet.
Oder aber; (willkommen Realität) nichts ändert und einfach nur drei Jahre akademischer Arbeit abverlangt ohne etwas zu bewirken. Das Abitur ist vielleicht doch nur ein Spiegel; ein Affe kann nicht als Prophet herauskommen.
13.6.06 12:59


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Ey, Neuköln, wa? – Gesellschaftsbeobachtung 03

In einer „renommierten“ Schule Brandenburgs wird Integration und Toleranz großgeschrieben. Hauptsächlich auf den Umgang mit Behinderten gemünzt. Toleranz ist dehn- und formbar. Es lässt sich in allen möglichen Arten und Weisen tolerant sein. Natürlich sind die Schüler dieser Schule offen gegenüber körperbehinderten Personen. „ Das sind ja auch Menschen!“ ist eine beliebte Antwort der Schüler, wenn diese Schule mal wieder in der Zeitung präsentiert wird.
Ein Dialog in der Oberstufe:
Wie, du hast eine 4 in Deutsch!?
Bist doch selbst nicht besser!
Aber solche Fehler mach’ ich nicht. Rechtschreibung haste schon mal gehört, oder?
Fick dich, du Arsch!
Geh doch nach Neuköln. Rütli, ey!
Da haben wir es. Neuköln, 44, ist in aller Munde. Dank einer Schule. Diese Schule ist eine Schule wie andere. Doch sie wurde jüngst populär. Populär bedeutet, sie ist in aller Munde, jeder weiß etwas und weiß damit alles und kann urteilen. Ja, “Rütli” hat sich gemacht. Zu einem Modeschimpfwort. Es impliziert Dummheit, Unwissen, Bildungsferne und ... ja, etwas, das sich Asozialität nennt. Eine sehr tolerante Beleidigung. Es lässt sich schwer tolerant gegenüber Personen sein, die unter einem stehen. Nicht im humanitären Aspekt, sondern unter jenem Fokus, der die Bildung betrifft. Bildung steht gegen Nichtbildung und die Klugen stehen über den Dummen. Das ist normal, das ist gesellschaftsgewollt. Hier beginnt die Antithesis. Unbeliebte werden in Neuköln mit "schwul" und "Krüppel" tituliert, in der besagten Schule werden Unbeliebte mit dem Prädikat Rütli behaftet. Eine Scherenbewegung in der Gesellschaftssoziologie?
Man beleidigt jemanden mit einer unrealen Zugehörigkeit. Das ist die Essenz der Beleidigung. Schlechtes Deutsch, das selbst unter den Deutschen nicht selten ist, wird mit einer Ausländrigkeit belegt, intolerantes Benehmen gegenüber anderen, selbst unter dem Faktum das niemand jedem vollkommen tolerant gegenüber ist, mit Nazismus tituliert, ein gewisser Grad an Allgemeinwissenslosigkeit mit einer benannten Ortzugehörigkeit wird jetzt Rütli genannt.
Das Wort ist kurz, knackig, prägnant und in aller Munde. Ein guter Kandidat für die „Beleidigung des Jahres“

Jack: “Neuköln. An und für sich ein schöner Ort. Ein paar Drogen und Gewaltakte zu viel.
Neuköln als Brennpunkt interkultureller Differenzen. Dort treffen Nationalitäten aufeinander und leben miteinander, harmonieren, reiben sich aneinander und sind eine kleine Gruppe von Fremden in der Fremde.
Alle Medien berichten leidenschaftlich mit gutgemeinter Versöhnlichkeit und großem Mitleid darüber, wie schlimm es doch um die Rütli-Schüler steht. "Und sie können doch nichts dafür!", stöhnen Pädagogen im Chor mit den Berliner Tageszeitungen auf. Aber jeder weiß, wo die Fehler zu suchen sind.
Kuttel Daddeldu: „Die Anonymität innerhalb der Gesellschaft.
Jack: „Soll heißen?
K.D.: „Sie haben keine Bildung und keine Zukunft. Sie fallen durch unsere Gesellschaftstestate durch wie die Fliegen im Gitter. Diese angeborene Ausgestoßenheit in einem offenen System, dass kein Platz bietet.
Kein Platz. Ausgestoßene. Trifft nicht genau das zu?

Toleranz gegenüber Ausgestoßene fällt leicht. An und für sich ist man auch jenen gnädig gegenüber, die in ihrer „Situation“ unverschuldet verhaften bleiben. Nur in diesem Fall macht Rütli eine Ausnahme. Man betrachte die Situation genauer.
Rütli ist eine Hauptschule. In Neuköln. Das ist viel zu nah, als das mann Mitleid fühlen kann.
Die Institution der Hauptschule hat an und für sich den Ruf weg, als Fangstelle für jene zu dienen, die so oder so keine Zukunft haben. Eingerichtet dafür, dass sie jene nicht am Bildungsprozess behindern, die eine Zukunft haben. Wir nennen es dreigliedriges Schulsystem. Realschüler und Gymnasiasten bedanken sich dafür. Hauptschüler fühlen sich verstoßen. Zu recht.
Neuköln als Anlaufpunkt für allerhand Nationen, hauptsächlich aus dem östlichen Raum Europas und noch weiter. Parallelgesellschaft war vor langer Zeit in aller Munde. Heute trifft dieses Schlagwort auf sein Emblem: Rütli. Gewalt, Armut, Asozialität, Unwissen. Eine Brutstätte für Propagandapunkte der NPD und Union. Genau das ist die Wunde, auf die gerne gedrückt wird um Deutschlands größtes Wehwehchen zu benennen.

Schafsmann: „Man kann nun die Hauptschüler und die Ausländer mit einem Wort unter einen Hut bringen! Wie fantastisch für die florierende Beleidigungskultur der unteren Milieus“. Und nicht nur da. Auch alle anderen sozioökonomischen Milieus können sich darauf bauen jemanden gefunden zu haben, der noch immer unter einem steht.
Wie konnte es soweit kommen? Multikausalität ist auch hier zu erwähnen. nicht.lustig hat auch keine Antworten auf die aufgekommenen Fragen. Gibt es überhaupt eine Lösung?
Schafsmann: „Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Man findet sie auch leicht. Doch erst nachdem man sich entschlossen hat, radikal oder doch sanft wehmütig zu sein“.
Hauptschule?
Neuköln?
Parallelgesellschaft?
Die Parallelgesellschaft Neukölner Hauptschulen?
Wir wissen es nicht. Aber es wird weiterhin gefragt werden. Antworten und nur Antworten werden gesucht, Meinungen und nur Meinungen werden gegeben. Kriminalität und Armut als Summanden für die Summe Rütli.

Der Kreis um dieses soziokulturelle Problem wird sich weiter drehen. Und so werden auch weiterhin Sprüche gerissen, Witze gemacht, Beleidigungen ausgesprochen. Der Kreis dreht sich weiter und wie die Schraube winden wir uns tiefer, enger, bis es zur Entladung kommt.
Die Angst vor der Entladung der Wut von ethnischen Minderheiten kommt dann und wann in allen Gemütern auf.
Wie tief wird sich diese Schraube drehen?
K.D.: „Bis Rütli nur noch als kleiner Faktor in Erinnerung bleibt. Wir stehen noch auf den oberen Stufen der Treppe. Bald werden wir nicht mehr langsam runterlaufen. Bald wird sich jemand finden, der uns hinunter stößt.
Wir stehen zwischen Offenheit und soziokulturellen Unterschieden, zwischen einer tiefen Intoleranz gegenüber allem, was „unter einem“ steht und der Unfähigkeit dieses zu akzeptieren. Wir sind das Problem. Denn wir sind die Gesellschaft. Klingt sehr verallgemeinert – ist es auch, denn findet man nicht wenigstens einen gemeinsamen Nenner, findet man auch keine Antwort.
12.4.06 15:07


Das Rückspiel in Halbe - Gesellschaftsbeobachtung 02

Am 11. März kam das Rückspiel. Es wurde wieder in Halbe gewandert. Dieses Mal bewegten sich die Initiatoren des Zuges. Diese sind die Gestrigdenkenden, die Revisionisten, die Deoroller von neben an, die Unaussprechlichen. Für jene galt es zum größten Soldatenfriedhof Deutschlands zu wandern und ihren Respekt für jene kund zu tun, die das Heimatland beschützt haben. Ab hier gilt es zu differenzieren. Die Personen, die dort liegen, haben das Dritte Reich verteidigt. Ob gezwungen, ob aus Patriotismus oder durch multikausale Ursachen ist heute nur sehr schwer zu rekonstruieren. Der Kessel von Halbe. Sicher, es war mehr ein Zielschießen der roten Armee, doch wer mag heute noch darüber urteilen, wer bad boy und good guy in der überlangen Tragödie namens zweiter Weltkrieg gewesen ist.

Wer mag da heute noch hingehen? Ja, die Unaussprechlichen. Sie gehen jedes Jahr dort hin. Einmal. Doch Anno Domini 2006 werden es zwei Mal gewesen sein. Denn anstatt im November zum Volkstrauertag, war es heute – der 11. März. Das Rückspiel.

Wir erinnern uns.
Jack:" Letzten November wollten die Glatzen gehen, doch die Demokraten blockierten mit Überzahl. Es stand 2.000 gegen 1.600. Und die Unverblendeten waren früh genug da, dass die Straßen für die Wanderwütigen gesperrt blieb." An diesem Samstag war es dann anders. Es stand 300 gegen 500, die von der Polizei eingerichtete Pufferzone war dieses mal nur 150m groß und das Demonstrationsareal blockierte gar nichts. Die Nazis liefen.

Mit klirrend kalten Füßen standen wir ganz vorne und unterhielten uns mit einem Herrn des Antikonfliktteams. Ein sehr netter und eloquenter Mann, der es, so sagte er, lieber sähe, wenn die Nazis randalieren und wüten würden. Denn dann hätte er Grund von der Staatsgewalt gebraucht zu machen. Doch die Nazis waren diszipliniert, gehorsam und von Ehrfurcht vor der Vergangenheit in Respekt vor den gefallenen Soldaten ruhig. Es ist schade gewesen; die Nazis liefen.

Was konnten schon 300 Leute ausrichten?
Kuddel Daddeldu:" Wir zeigten, dass man nicht wegsieht."
Jack:" Die Demokraten zeigten einen Standpunkt."
Kuddel Daddeldu:" Man hatte ein Zeichen in Halbe gesetzt..."
Schafsmann:" Im Grunde tat man das, was man auch schon in den letzten Jahren tat. Man ging hin, demonstrierte ein wenig, beruhigte seine Weltanschauung, fütterte seine Unternehmenslust und ging mit dem Gefühl, etwas gutes getan zu haben nach hause."
Das ist der Punkt, das ist der größte Knackpunkt schlecht hin. Seit vielen Jahren wird demonstriert und nichts ist passiert. Seit Jahren wird darüber aufgeklärt, wie menschenverachtend Hitler war und wie kompromisslos sein Erbe ist. Heute noch wird NPD und DVU gewählt, heute noch gibt es duzende Internetseiten die zum freien Widerstand aufrufen, aber dennoch ein Sklave eines Irrglaubens sind.

Ausländerfeindlichkeit, Xenophobie, Antisemitismus und Diktaturphilie sind Schall und Rauch und haben keinen Bestand. Schafsmann:" Juden werden seit Jahrhunderten verdammt."
Das stimmt wohl und ist in seiner Essenz wie in seiner Kontinuität zum Verzweifeln problematisch. Das, was heute noch die Nazis zum Rechtsradikalismus treibt ist im Mensch so tief verankert wie die Fähigkeit zum Aufrechten gehen.

Kuddel Daddeldu:" Am Besten geht man in die christliche Essenz um es zu erklären!" Der freie Wille. Gottes größtes Geschenk an die Menschheit. Die Gabe alles verneinen zu können, selbst zu entscheiden was das Gute und was das Böse ist. Zugegeben, dieser Vergleich ist sehr weit hergeholt. Doch ist dies der Ausgangspunkt für vielerlei Leid. Der Mensch verneint Gott und braucht ein daher ein neues Feindbild, etwas, dem man alles Schlechte zur Rechnung stellen kann. Der Mensch hasst so innig wie er innig bekämpft.

Nazis bekämpfen das Fremde im Heimischen. Das Hochhalten von Kultur und Tradition des guten Germanen ist eine Tugend. Für jene. Die Kultur gilt es zu beschützen, in einer Zeit, in der diese Kultur von allen Seiten bedroht zu sein scheint. Just in Halbe war es die Respektlosigkeit für jene, die in der Halber Kesselschlacht von der roten Armee niedergeschossen wurden. Sie ließen immerhin ihr Leben für Deutschland, für das Reich, vielleicht sogar für uns. Sicher, sie waren Wehrmächtler, aber daher sind sie keine schlechten Menschen. Eine gewandte Formulierung gerade jener Rechten. Es stimmt schon, dass nicht jeder Wehrmachtssoldat ein Nazi war und das nicht jeder von denen kämpfte, um das Dritte Reich aufrecht zu erhalten. Doch wenn es Opfer gewesen sind, darf man sie ehren?

Ja.
Und Nein.

Jack: "Menschen, die im Krieg fallen, sind pauschal arme Kreaturen und verdienen Mitleid und Respekt."
Schafsmann: "Leider wird dieser Respekt instrumentalisiert. Halbe als Massaker hin, Halbe als Höhepunkt zweiten Weltkriegs her. Wenn dort Neonazis marschieren und die Wehrmachtssoldaten vor den Soldaten an sich ehren, wenn dort Altnazis von der Tapferkeit der Dritten Reichssoldaten schwärmen, wenn dort NPD- und DVU-Politiker ihre Reden zur Stimmungsmache halten, hat dieser Respekt seine Legitimität verwirkt. So leid uns das auch für die Gefallenen tut."

Diese Instrumentalisierung wird nicht aufhören. Rechtsradikalismus wird nicht aufhören denn die Xenophobie scheint ein fester Teil des menschlichen Genpools zu sein. Die Menschheit verspielte sich damals Gottes unbedingte Fürsorge und war fortan partiell für sich selbst verantwortlich. Der freie Wille. Wer den freien Willen auskostet fährt auch immer auf dem Gleis in die Verdammnis. Und auf diesem Gleis sind Fremdenhass und reaktionärer Aktionismus die Zwischenstopps. Daher auch die Vehemenz der Neonazis. Sie haben nichts zu verlieren und proklamieren daher ihre stumpfsinnigen und oberflächlichen Parolen.

Jack: "Aber warum gehen wir und alle anderen dennoch jedes Jahr wieder nach Halbe?"
Weil die Vehemenz auch eine Tugend sein kann. Man kann jedes Ziel aus den Augen verlieren. Es liegt nun vielleicht an jene Leute, die sich nicht den Weg des Hasses und der Dummheit hingeben, ein Gegengewicht zu sein. Dunkelheit breitet sich immer nur soweit aus, wie das Licht ihr weicht.

Also lasset uns strahlen!
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Daher wird auch nicht.lustig weiterhin nach Halbe pilgern. Um zu demonstrieren, dass die Nazis nicht allein am Platze sind. Die Stimme der Vernunft ist selbst bei der größten Torheit nicht weit fern und diese Stimme der Vernunft wird am lautesten schallen!
14.3.06 19:15


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