nicht.lustig

... ein subjektiver Kommentar.


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Gedanken über die Lage







Die Verteidigungsavantgarde - Karikaturenstreit 01

Beirut und Damaskus machen es vor. Viele werden es nachmachen. Der, von der Presse so harmlos genannte Karikaturen-"streit" entflammt nicht nur multiethnische Unruhen, sie ruft eine Renaissance des klerialen Protests hervor.
Die Muslime werden zu einer Avantgarde der Moderne in Sachen Glaubensverteidigung. Sie sind die Revitalisierer der Religionsehre. Es sind Verteidigers des Glaubens von hier, der in der Welt angegriffen worden ist.
Und die Karikaturen waren ein Angriff. Da tut es nichts zur Sache, dass Karikaturen immer angreifen. Das ihre Existenz aus Beleidigung und Satire besteht. Wenn eine Karikatur nicht beleidigt, wirkt sie nicht - einfache Medienpsychologie. Die 12 Karikaturen des Unabbildbaren waren eine ernstgemeinte, einkalkulierte Verletzung am Islâm. Punkt.

Die Meinungsfreiheit ist auf unseren pluralistisch-liberalen Flaggen eingemeißelt worden und Glaubenssakrosankt steht dahinter. So denken viele bei uns.
"Is' leider falsch. Meinungsfreiheit hört nämlich dann auf, wenn sich jemand angegriffen fühlt", erklärt Jack. Dieser jemand ist eine glaubende Masse von 1.3 Milliarden Menschen (Stand Mitte 2005). Es sind Muslimen, die sich daran stören, dass eines ihrer Gesetze gebrochen wurde.
Der al-Islâm ist mehr als Religion. Er ist Ethik, Lebensgefühl, Gesetz und natürlich auch Moral. Wann haben wir eigentlich verlernt, Religionen nicht mehr zu achten?
Jack: "Während der Tolerierung des Holocaust."
Kuttel Daddeldu: "Na ja, der 30-jährige Krieg war früher."
Jack: "Ja... oh, die Kreuzzüge aber auch."
Schafsmann: "Kreuzigung".
Es scheint als könnte man unter'm Strich sagen, dass die Verachtung der Religion eine menschliche Attitüde sei, seitdem es Mensch und Religion gibt.

Jetzt stehen also meinungsfreiheitliebende nicht-Moslems gegen Moslems. Die einen brechen das Gesetz, die anderen beschweren sich und fordern eine Entschuldigung. Das klingt fast nach Schulhofstrafrecht. Eigentlich ganz einfach. Wenn nicht der Gesetzesbrecher darauf pochen würde, gar kein für ihn geltendes Gesetz gebrochen zu haben. Er hat halt Mohammed gezeichnet (zwar ist die Zeichnung ziemlich hässlich, aber darauf kommt es auch nicht an).
"Was für viele aus dem nahen Osten nicht begreifbar ist", sagt Schafsmann, "dass das, was in der Presse steht, nicht gleich die Meinung der Regierung, sprich aller ist."
Das stimmt. In den meisten Ländern "da unten" halten die Regierungen ihre Presse an kurzer Leine. Was als Schlagzeile kommt, will das Regime auch. Es ist gut, es ist richtig, es ist gewollt. Hier nicht.
Wir leben in einer Welt der Meinungsfreiheit. Hier darf H.R. Kunze gerne mal "Ich hatte Sex mit Hitler" singen, wir dürfen Angie im Negligé zeichnen (Eulenspiegel), wir hören Marilyn Manson. "So lange es nur der Christentum ist, den wir verurteilen", wirft Kuttel Daddeldu ein, "kann man uns ja nichts anhaben. Christentum gehört zu uns, zu unserer Geschichte. Also gehört die Islâmfeindlichkeit auch dazu."
Falsch. Das stimmt so nicht. Wir mit unserer Pressefreiheit, die schier alles darf, dürfen vor allem eines: Uns benehmen.
Zum Demokratieverständnis gehört auch die Fähigkeit ihre Grenzen zu kennen, zumindest sollte sie das. Das bedeutet auch, Karikaturen, seien sie noch so real angehaucht, womöglich sogar in ihrer Aussage legitim, nicht abzudrucken und aus falscher Solidarität weiterzuverbreiten.

Wir können Mohammed zeichnen. Dann sollten wir auch mit der Konsequenz leben, dass wir damit ein Gesetz, dem wir nicht einzuhalten aber zu respektieren verpflichtet sind, gebrochen haben. Schade, dass einige die Idee der Demokratie samt Rede-/Pressefreiheit missverstehen. Demokratie ist das Recht, aber nicht die Pflicht, zu allem etwas sagen zu dürfen. "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten".
6.2.06 20:24
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


üngah (11.9.06 16:18)
du hast schon recht
aber ich würde an der stelle von einem karikaturenzeichner meine kritik gut begründen um mich dann mit beispielsweise muslimen auseinanderzusetzen.
kritik muss gut begründet sein, auch wenn man der meinung ist, es bedarf keiner begründung. und auch eine entschuldigung sollte man bereithalten für leute, die sich dadurch verletzt fühlen.
ich bin auf der seite der frieen meinungsäußerung, aber wie gesagt man sollte trotzdem die moralische grenze nicht überschreiten und nciht andere verletzen. wenn man sein eigenes dasein "verarschen" will, soll man das ruhig tun, man greift sich ja nur selber an.

trotzdem rechtfertigt da salles nicht die reaktion der muslime, die mal wieder nur aus dem bauch kam und völlig übereilig und empfindlich war.
ich werde jeden tag ein bisschen gemobbt, starte ich da immer gleich eine kampagne und drohe attentate an? nein.
muslime sollten sihc zügeln und die regeln anderer länder wenigstens registrieren, wir tun das nämlich auch, auch wenn wir einiges nicht korrekt finden. (wir= deutschland)
wenn die muslime toleranter geworden sind und ihre kritik mal weniger extrem aussagen würden, wäre ich mit der kritik einverstanden gewesen.

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