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... ein subjektiver Kommentar.


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Gedanken über die Lage







Ein Schrei ohne Hand und Fuß - Karikaturenstreit 02

Das Ringelreihen der Empörung geht weiter. Irans Außenminister wird bei Delegierten- und Diplomatentreffs gemieden, die Jyllands-Posten erhält Rückendeckung aus aller Welt und wenn die Politiker zur Mäßigung rufen, wird nur die große Moslemmasse angesprochen. Man solle zurück auf eine vernünftige Diskussionskultur kommen, heißt es. Wie soll man dorthin zurück gelangen, wenn es diese Diskussionskultur gar nicht gab?

Der Antiamerikanismus ist für viele ein Statussymbol. Eines, das sich viele der Moslems aneignen. Das die Amerikaner dieses Mal nicht den Grundstein gelegt haben, sie die Karikaturen verurteilen und das dennoch US-Flaggen brennen, ist ein wenig ironisch wie auch bitter. Gehören die Amerikaner doch dieses Mal wirklich zu jenen, die es verstehen, was es heißt, wenn eine Religion bloßgestellt wird. Kuttel Daddeldu: „Ich erinnere an den Aufstand der geschah, als Monty Pythons „Das Leben des Brian“ im Kino anlief. Die Christen in Amerika liefen zu Hunderttausenden Sturm.“ Aber es sind halt nur Christen. Sie haben die Darstellung von Gott und Jesus, Maria, Josef und dem Rest der Gang nie verboten.
Aber es gibt ein Darstellungsverbot des Propheten Mohammed.
Schafsmann: „Falsch. Es gibt keines. Nicht im Koran, nicht in irgendeinem Edikt“. Bis tief ins 16. Jahrhundert gab es in Moscheen, in anderen Einrichtungen und in Schriften den Propheten zu sehen. Verschleiert, aber er war da und als er selbst gekennzeichnet.
Als Überlieferung gilt das Gesetz, dass der Prophet selbst gesagt haben soll, es sei abzuraten bildliche Darstellungen von Lebewesen anzufertigen. Wenn also Künstler aus Farbe Wesen erschaffen, stehen sie damit in göttlicher Konkurrenz. Und das Gott nicht konkurrierbar oder gar anfechtbar ist wissen wir alle (die wir uns in einen Glauben hinein versetzen können). Doch weil Kunst so herrlich und gut instrumentalisierbar ist, wurde darauf nicht verzichtet. Es wurde lediglich auf Mohammed verzichtet. Etwas, das wir nicht verstehen.

Christen lieben Jesusdarstellungen abgöttisch und schmücken ihr Heim, ihre Kirchen und ihre Ketten damit. Also steht wieder Religionsverständnis gegen Religionsverständnis. Und da man als Gläubiger kein Verständnis für Religion haben muss, steht Religion gegen Religion. Es kommt also auf die Pietät des anderen an, auf etwas zu verzichten, das man darf, wenn man genau weiß, dass es den anderen erzürnt.
Doch wie berechtigt ist dieser Aufschrei der Muslimen wirklich? In arabischen Tageszeitungen erscheinen mehr als wöchentlich Karikaturen und Diffamierungsbilder über die Juden. Antisemitismus ist in der arabischen Welt noch tiefer verankert als im Nationalsozialismus. Jack: „Es ist schier ein Wettkampf, wer hasst die Juden mehr.“
Noch dazu erkennen die Muslime andere Religionen nicht als solche sondern nur als „Meinungen“ an – das gilt natürlich nicht als Pauschalisierung, nur als tendenzielle Massenmeinung.
Kuttel Daddeldu: „Die Frage, die sich die Flaggenvernichter und Botschaftsbesetzter stellen sollten ist; Darf man im Glashaus Steine werfen?“ Tatsächlich empören sich die Muslime über eine Tat, der sie selber frönen. Nur mit variierten Zielfiguren.

Jetzt müssen wir darauf warten, dass sich die Masse beruhigt; darauf hoffen, dass kein weiteres Öl ins Feuer geschüttet wird und darauf vertrauen, dass man sich danach verständigen kann. Wir Deutschen, die wir seit Kanzlerin Merkel bevorzugt eine Vermittlerrolle einnehmen und die Demokratie gepachtet haben, sind jetzt natürlich mit am meisten darauf gespannt, wann sich die Wogen glätten. Demokraten tragen die Hoffnung der Welt auf ihren Schultern, dass sie weiterhin die Redefreiheit zu Gunsten von Respekt und Pietät dimmen und über die Fehler der anderen hinwegsehen, nur um mit ihnen zu reden.
7.2.06 19:44
 


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