nicht.lustig

... ein subjektiver Kommentar.


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Gedanken über die Lage







Das Rückspiel in Halbe - Gesellschaftsbeobachtung 02

Am 11. März kam das Rückspiel. Es wurde wieder in Halbe gewandert. Dieses Mal bewegten sich die Initiatoren des Zuges. Diese sind die Gestrigdenkenden, die Revisionisten, die Deoroller von neben an, die Unaussprechlichen. Für jene galt es zum größten Soldatenfriedhof Deutschlands zu wandern und ihren Respekt für jene kund zu tun, die das Heimatland beschützt haben. Ab hier gilt es zu differenzieren. Die Personen, die dort liegen, haben das Dritte Reich verteidigt. Ob gezwungen, ob aus Patriotismus oder durch multikausale Ursachen ist heute nur sehr schwer zu rekonstruieren. Der Kessel von Halbe. Sicher, es war mehr ein Zielschießen der roten Armee, doch wer mag heute noch darüber urteilen, wer bad boy und good guy in der überlangen Tragödie namens zweiter Weltkrieg gewesen ist.

Wer mag da heute noch hingehen? Ja, die Unaussprechlichen. Sie gehen jedes Jahr dort hin. Einmal. Doch Anno Domini 2006 werden es zwei Mal gewesen sein. Denn anstatt im November zum Volkstrauertag, war es heute – der 11. März. Das Rückspiel.

Wir erinnern uns.
Jack:" Letzten November wollten die Glatzen gehen, doch die Demokraten blockierten mit Überzahl. Es stand 2.000 gegen 1.600. Und die Unverblendeten waren früh genug da, dass die Straßen für die Wanderwütigen gesperrt blieb." An diesem Samstag war es dann anders. Es stand 300 gegen 500, die von der Polizei eingerichtete Pufferzone war dieses mal nur 150m groß und das Demonstrationsareal blockierte gar nichts. Die Nazis liefen.

Mit klirrend kalten Füßen standen wir ganz vorne und unterhielten uns mit einem Herrn des Antikonfliktteams. Ein sehr netter und eloquenter Mann, der es, so sagte er, lieber sähe, wenn die Nazis randalieren und wüten würden. Denn dann hätte er Grund von der Staatsgewalt gebraucht zu machen. Doch die Nazis waren diszipliniert, gehorsam und von Ehrfurcht vor der Vergangenheit in Respekt vor den gefallenen Soldaten ruhig. Es ist schade gewesen; die Nazis liefen.

Was konnten schon 300 Leute ausrichten?
Kuddel Daddeldu:" Wir zeigten, dass man nicht wegsieht."
Jack:" Die Demokraten zeigten einen Standpunkt."
Kuddel Daddeldu:" Man hatte ein Zeichen in Halbe gesetzt..."
Schafsmann:" Im Grunde tat man das, was man auch schon in den letzten Jahren tat. Man ging hin, demonstrierte ein wenig, beruhigte seine Weltanschauung, fütterte seine Unternehmenslust und ging mit dem Gefühl, etwas gutes getan zu haben nach hause."
Das ist der Punkt, das ist der größte Knackpunkt schlecht hin. Seit vielen Jahren wird demonstriert und nichts ist passiert. Seit Jahren wird darüber aufgeklärt, wie menschenverachtend Hitler war und wie kompromisslos sein Erbe ist. Heute noch wird NPD und DVU gewählt, heute noch gibt es duzende Internetseiten die zum freien Widerstand aufrufen, aber dennoch ein Sklave eines Irrglaubens sind.

Ausländerfeindlichkeit, Xenophobie, Antisemitismus und Diktaturphilie sind Schall und Rauch und haben keinen Bestand. Schafsmann:" Juden werden seit Jahrhunderten verdammt."
Das stimmt wohl und ist in seiner Essenz wie in seiner Kontinuität zum Verzweifeln problematisch. Das, was heute noch die Nazis zum Rechtsradikalismus treibt ist im Mensch so tief verankert wie die Fähigkeit zum Aufrechten gehen.

Kuddel Daddeldu:" Am Besten geht man in die christliche Essenz um es zu erklären!" Der freie Wille. Gottes größtes Geschenk an die Menschheit. Die Gabe alles verneinen zu können, selbst zu entscheiden was das Gute und was das Böse ist. Zugegeben, dieser Vergleich ist sehr weit hergeholt. Doch ist dies der Ausgangspunkt für vielerlei Leid. Der Mensch verneint Gott und braucht ein daher ein neues Feindbild, etwas, dem man alles Schlechte zur Rechnung stellen kann. Der Mensch hasst so innig wie er innig bekämpft.

Nazis bekämpfen das Fremde im Heimischen. Das Hochhalten von Kultur und Tradition des guten Germanen ist eine Tugend. Für jene. Die Kultur gilt es zu beschützen, in einer Zeit, in der diese Kultur von allen Seiten bedroht zu sein scheint. Just in Halbe war es die Respektlosigkeit für jene, die in der Halber Kesselschlacht von der roten Armee niedergeschossen wurden. Sie ließen immerhin ihr Leben für Deutschland, für das Reich, vielleicht sogar für uns. Sicher, sie waren Wehrmächtler, aber daher sind sie keine schlechten Menschen. Eine gewandte Formulierung gerade jener Rechten. Es stimmt schon, dass nicht jeder Wehrmachtssoldat ein Nazi war und das nicht jeder von denen kämpfte, um das Dritte Reich aufrecht zu erhalten. Doch wenn es Opfer gewesen sind, darf man sie ehren?

Ja.
Und Nein.

Jack: "Menschen, die im Krieg fallen, sind pauschal arme Kreaturen und verdienen Mitleid und Respekt."
Schafsmann: "Leider wird dieser Respekt instrumentalisiert. Halbe als Massaker hin, Halbe als Höhepunkt zweiten Weltkriegs her. Wenn dort Neonazis marschieren und die Wehrmachtssoldaten vor den Soldaten an sich ehren, wenn dort Altnazis von der Tapferkeit der Dritten Reichssoldaten schwärmen, wenn dort NPD- und DVU-Politiker ihre Reden zur Stimmungsmache halten, hat dieser Respekt seine Legitimität verwirkt. So leid uns das auch für die Gefallenen tut."

Diese Instrumentalisierung wird nicht aufhören. Rechtsradikalismus wird nicht aufhören denn die Xenophobie scheint ein fester Teil des menschlichen Genpools zu sein. Die Menschheit verspielte sich damals Gottes unbedingte Fürsorge und war fortan partiell für sich selbst verantwortlich. Der freie Wille. Wer den freien Willen auskostet fährt auch immer auf dem Gleis in die Verdammnis. Und auf diesem Gleis sind Fremdenhass und reaktionärer Aktionismus die Zwischenstopps. Daher auch die Vehemenz der Neonazis. Sie haben nichts zu verlieren und proklamieren daher ihre stumpfsinnigen und oberflächlichen Parolen.

Jack: "Aber warum gehen wir und alle anderen dennoch jedes Jahr wieder nach Halbe?"
Weil die Vehemenz auch eine Tugend sein kann. Man kann jedes Ziel aus den Augen verlieren. Es liegt nun vielleicht an jene Leute, die sich nicht den Weg des Hasses und der Dummheit hingeben, ein Gegengewicht zu sein. Dunkelheit breitet sich immer nur soweit aus, wie das Licht ihr weicht.

Also lasset uns strahlen!
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Daher wird auch nicht.lustig weiterhin nach Halbe pilgern. Um zu demonstrieren, dass die Nazis nicht allein am Platze sind. Die Stimme der Vernunft ist selbst bei der größten Torheit nicht weit fern und diese Stimme der Vernunft wird am lautesten schallen!
14.3.06 19:15
 


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