nicht.lustig

... ein subjektiver Kommentar.


* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren




Gedanken über die Lage







Die Meute wütet wieder - Karikaturenstreit 03

So sprach der Papst seine Rede und referierte von der überwältigenden Güte Gottes und dem System der Vernunft, dass der Glaube kein Schwert braucht; ja, dass der Glaube kein Schwert tragen darf. Vor vielen hundert Jahren kämpften Christen mit dem Schwert für Jerusalem, für Gott und mussten bitter einstecken. Der letzte christliche Schwertschwung zerstörte nicht nur das europäische Mittelland, sondern spaltete auch noch das Christentum endgültig. Das Schwert brachte das Schisma.
So hatte die Regensburger Rede auch eine gütige Warnung des heiligen Vaters. Doch die gewählten Worte wurden, bei einer geringen Chance, die Rede misszuinterpretieren mit nur allzu fataler Passion missinterpretiert. Unglücklich zitiert, nämlich komplett, erreichten die Worte „Schlechtes“ und „Inhumanes“ das muslimische Gehör und Sturm wurde geerntet. Protest hagelte wie auf Knopfdruck. Man mag glauben, dass es im ominösen Moslemland eine kleine Kammer mit Zeitschriften und Fernsehgeräten, die alle Sender aller Herrenländer empfangen, gibt, die minutiös observiert werden und bei jeder noch so kleinen Floskel, jedem rhetorischen Lapsus springt jemand hoch und schleudert seine Faust auf einen roten Knopf. Noch während das Glas der Schutzscheibe zerspringt, brennen Flaggen und alle fordern eine Entschuldigung.

Jack: „Am Anfang des Jahres konnte bereits gut geübt werden. Was damals noch staatlich instrumentalisiert und gesteuert wurde, lief dieses Mal reibungslos, wie von allein. Das Beleidigungsmoment löste ein Kettengetriebe aus, das seinen Ablaufplan noch gut im Kopf hat.“
Nun fragt sich die restliche Welt, ob dies wirklich nötig sei.
Papstfiguren brennen auf Kreuzen und die Medienwelt wird mit Schlagzeilen gefüttert. „Kreuzzüglermentalität“, Hitlervergleiche und Mordandrohungen. Wenn es einen Preis für religiösen Populismus gäbe, könnte eine ganze Reihe von Glaubensträgern ihre Moscheen damit schmücken. Woher stammt diese leidenschaftliche Bereitschaft, seinen Glauben angegriffen zu sehen? Woher stammt die Entzückung, dass es wieder etwas zu protestieren gibt?

Jack: „Sie haben sich wohl erwischt gefühlt.“
Wer so oft auf Barrikaden rennt und Flaggen verbrennt, hat nichts von einem gütigen Gott gelernt. Die Lehre der Liebe, wie sie Jesus verbreitete, ging im Orient, kriegs- und geplänkelzerrüttetem Nahost einfach unter. Dabei widersprechen sie sich gerne selbst.
Schafsmann: „Im Januar ging es um die Beleidigung des Propheten, weil er dargestellt wurde. Der Demonstrationsfeldzug hatte bereits verehrerische Charakteristika. Nun ist der Unabbildbare erneut beschmutzt worden. Zeit erneut durchzudrehen.“
Der heilige Vater gab bereits eine Entschuldigung von sich und zwar in dem Höchstmaß, in dem sie angebracht war. Es war eine hochtheologische Rede, die keinen Beleidigungsaspekt, sondern nur ein Beschuldigungsmoment besaß. Die Angeschuldigten fühlen sich getroffen. In der Tat wird der Glaube vielleicht nicht mit dem Schwert verbreitet, aber mit Säbelrasseln und Morddrohungen verteidigt. Würden Katholiken bei jedem Jesuswitz auf die Straßen gehen, ganz Italien wäre lahmgelegt.

Wir stellen uns dies einmal vor.
Im Südirak werden als Protest Stoffpuppen am Kreuze verbrannt, die Benedikt XVI. darstellen sollen. Würden sich nun die Christen genauso infantil brüskieren, ging eine Masse von 2.1 Milliarden Gläubigen auf die Straße (im Vergleich: der Islam hat 1.2 Milliarden Anhänger).
Noch zur gleichen Zeit werden auch Deutschlandflaggen verbrannt. Benedeto, bekanntlich auch Joseph Ratzinger, der als hardliner aus Bayern, stammt aus diesem Land, also muss er auch für dieses Land sprechen. Die einfache Assoziationskette der blindradikalen Meute. An und für sich müssten darauf hin rund 82 Millionen Menschen auf die Straßen, um gegen den Irak zu protestieren.
Aber nein.
Schafsmann: „Was die Europäer, vor allem auch die Christen den Moslems voraushaben, ist der Mut zur Kritik, die Fähigkeit, einfach nur die Schultern zu zucken. Vor allem dann, wenn die Kritik angeblich unbegründet ist.“
Al-Quaida droht das Kreuz zu zerbrechen, Würdenträger fordern den Tod des Papstes, manch anderer eine weitere, deutlichere Entschuldigung. Nur wenige haben die Entschuldigung bereits angenommen. Es ist eine abstruse Welt aus gesteuerte Radikalität und blinder Wut. In Wirklichkeit wird aus einer Maus ein Elefant gemacht. Es wurde ein Grund gesucht, wieder zu wüten. Es ist lächerlich.
Kuttel Daddeldu: „Letztendlich werden sich die Wogen wieder glätten. Die Radikalen werden mit gutem Ergebnis wieder weiter die Medien prüfen, um erneut aufzubrausen. Die deutschen Anzugträger werden erneut über Spaß- und Parallelgesellschaft diskutieren. Politiker werden über Integration debattieren. Doch keiner wird sich um den Dialog der Religionen kümmern.“

Das, was Papst Benedikt XVI. versuchte, ging daneben. Sein Wunsch zu reden wurde durch die Unfähigkeit der Moslems zur Diskussion totgebrüllt. Vorerst wird es kein Lazaruswunder geben und man wird sich wieder anschweigen. Das da unten Krieg zwischen, um das staatspolitische Wirrwarr auf einen Nenner zu bringen, Juden und Moslems herrscht, rückt wieder in aller Bewusstsein und man behält die Hamas weiter mit immer schlechterem Bild im Kopf, denn diese waren beim „Papststreit“ nicht gerade stillschweigend.
Immer wieder versucht man zu abstrahieren, dass es nicht „die Moslems“, sondern nur eine radikale Gruppe von Moslems sind, die flaggenverbrennend durch die Presse geistern. Immer wieder versucht man zu glauben, dass man ihnen die Geschwister Demokratie und Friedfertigkeit zum Austausch schicken kann. Immer wieder wird man enttäuscht.
Jack: „Es ist eine Blamage für den ganzen Apparat namens Glauben. Nur die Atheisten lachen sich ins Fäustchen, weil die Fanatiker um eine Illusion streiten.“ Das wird es am Ende auch wirklich sein. Ein Sieg der Atheisten. Der stillen, die Diskussion nicht verstehenden kleinsten Minderheit.
Doch bis dahin ist es ein noch langer Weg. Noch öfter muss man sich als Europäer stirnrunzelnd anhören, wie schon wieder ein heiliger Brauch in den Dreck gezogen wurde und erneut Staatsflaggen angezündet werden. Wieder werden ein paar Leute umgebracht und nach einer Entschuldigung geschrieen, während selbst nichts erfolgt. Keine Reue, keine Einsicht, keine Hoffnung auf Besserung. So gefühllos es auch klingen mag; auf das größte Übel unserer heutigen Zeit kann man tatsächlich mit dem Finger zeigen, - so wahr man dabei Mohammed weder darstellt noch beschuldigt.
18.9.06 19:37
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung